Du hast die letzte Szene geschrieben, dein Manuskript überarbeitet und einen Lektor gefunden. Jetzt fehlt nur noch der Versand. Doch gerade in diesem Moment lohnt sich eine kurze Pause. Wer sein Manuskript fürs Lektorat vorbereitet, spart Geld, bekommt besseres Feedback und vermeidet Missverständnisse. Mit dieser Checkliste ist dein Text bereit für den professionellen Blick.
Warum Vorbereitung sich auszahlt
Ein Lektor hat für dein Manuskript ein bestimmtes Zeitbudget. Muss er sich durch Tippfehler, Formatierungschaos und offene Platzhalter kämpfen, bleibt weniger Aufmerksamkeit für das, wofür du eigentlich bezahlst: Handlung, Figuren und Stil. Je sauberer dein Text, desto tiefer kann das Lektorat gehen.
Checkliste Inhalt
Ist das Manuskript wirklich fertig?
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Fehlen noch Szenen, ist das Ende noch nicht final oder planst du größere Umbauten, ist es zu früh für ein Lektorat. Jede größere Änderung danach macht einen Teil der Arbeit hinfällig.
Hast du selbst überarbeitet?
Mindestens eine, besser zwei vollständige Überarbeitungsrunden sollten hinter dir liegen. Eine bewährte Methode findest du in Manuskript überarbeiten in 5 Schritten.
Gab es Testleser?
Testleser finden grobe Logikfehler und Längen kostenlos. Was sie bemängeln, kannst du vor dem Lektorat beheben. Tipps dazu liest du in Testleser finden.
Sind alle Platzhalter ersetzt?
Suche nach Notizen wie [Name einfügen], XXX oder eckigen Klammern. Offene Platzhalter verwirren und kosten Zeit.
Checkliste Formatierung
Die meisten Lektoren arbeiten mit Word und der Änderungsverfolgung. Diese Formatierung hat sich bewährt:
- Dateiformat: .docx, keine PDF-Datei. In einer PDF kann nicht sinnvoll lektoriert werden.
- Schrift: Eine gut lesbare Standardschrift wie Times New Roman oder Arial in 12 Punkt.
- Zeilenabstand: 1,5-zeilig, damit Anmerkungen gut lesbar sind.
- Ränder: Standardränder von etwa 2,5 cm.
- Kapitel: Kapitelüberschriften als Überschrift formatieren und jedes Kapitel mit einem Seitenumbruch beginnen, nicht mit vielen Leerzeilen.
- Einzüge: Absatzeinzüge über die Formatierung, nicht über Tabulator oder Leerzeichen.
- Seitenzahlen: Fortlaufend nummeriert.
- Eine Datei: Das komplette Manuskript in einem Dokument, nicht jedes Kapitel einzeln.
Eine Ausnahme: Wenn dein Lektor ein anderes Format wünscht, gilt natürlich das.
Checkliste Einheitlichkeit
- Schreiben sich alle Namen überall gleich? Gerade bei Fantasy-Namen schleichen sich schnell Varianten ein.
- Nutzt du einheitliche Anführungszeichen, etwa durchgehend „deutsche“ oder »französische«?
- Schreibst du Zahlen einheitlich als Ziffern oder Wörter?
- Ist die Zeitform konsistent, etwa durchgehend Präteritum oder Präsens?
Lass am Ende einmal die Rechtschreibprüfung laufen. Sie findet nicht alles, aber die offensichtlichen Tippfehler sind schnell beseitigt.
Was dein Lektor zusätzlich wissen sollte
Ein kurzes Begleitschreiben hilft enorm. Folgende Angaben sind sinnvoll:
- Genre und Zielgruppe: Etwa Dark Romance für Leser ab 18, Romantasy oder New Adult.
- Kurze Inhaltsangabe: Ein bis zwei Absätze, damit der Lektor weiß, wohin die Geschichte will.
- Figurenliste: Bei vielen Figuren oder ungewöhnlichen Namen ein echter Gewinn.
- Bewusste Stilentscheidungen: Schreibst du absichtlich im Präsens, nutzt du Slang oder Dialekt, verzichtest du gezielt auf bestimmte Regeln? Sag es vorab.
- Deine Sorgen: Wo bist du unsicher? Ein schwaches Mittelteil, eine Figur, die nicht funktioniert? So kann der Lektor gezielt darauf achten.
- Reihe: Ist es ein Folgeband, nenne die Besonderheiten aus den vorherigen Bänden.
- Termin: Wann soll das Buch erscheinen? Plane genug Puffer für das Einarbeiten ein.
Umfang richtig angeben
Lektorate werden meist pro Normseite berechnet. Gib bei der Anfrage die Zeichenzahl inklusive Leerzeichen an, dann bekommst du ein verlässliches Angebot. Wie du das ausrechnest, zeigt Normseite berechnen.
Nach dem Versand
Arbeite während des Lektorats nicht mehr am Text weiter. Sonst existieren am Ende zwei Fassungen, die mühsam zusammengeführt werden müssen. Nutze die Zeit lieber für Cover, Klappentext oder die Planung deiner Veröffentlichung.
Die Selbstüberarbeitung vor dem Lektorat
Je mehr du selbst verbesserst, desto mehr kann sich das Lektorat auf die feinen Punkte konzentrieren. Diese Durchgänge haben sich bewährt:
Durchgang 1: das große Ganze
Lies das komplette Manuskript in möglichst wenigen Sitzungen, am besten ausgedruckt oder auf einem anderen Gerät. Notiere nur grobe Punkte: Wo wird es langweilig? Wo fehlt eine Erklärung? Handelt eine Figur unlogisch? Wird ein Handlungsstrang vergessen?
Durchgang 2: Szenen und Kapitel
Prüfe jede Szene: Hat sie ein Ziel? Bringt sie Handlung oder Figuren voran? Endet das Kapitel mit Zug? Streiche oder kürze, was keine Funktion hat.
Durchgang 3: Sprache
Jetzt geht es an die Sätze. Achte besonders auf diese Punkte:
- Füllwörter: eigentlich, irgendwie, ein bisschen, wirklich, ziemlich, gerade, dann
- Wortwiederholungen: Besonders bei Verben wie gehen, sehen, sagen und bei Körperreaktionen wie seufzen, schlucken, nicken
- Lange Satzketten: Mehr als drei Nebensätze überfordern oft.
- Passiv: Aktive Sätze sind meist lebendiger.
- Erklären statt zeigen: Gefühle, die nur benannt werden. Mehr dazu in Show, don’t tell.
Durchgang 4: laut lesen
Lies wichtige Szenen und alle Dialoge laut. Wo du stolperst, stolpern auch deine Leser. Viele Autoren lassen sich ihren Text auch von einer Vorlesefunktion vortragen. Fehler, die das Auge überliest, hört das Ohr.
Nützliche Suchfunktionen in Word
Mit der Suchfunktion findest du typische Schwächen in Minuten statt Stunden:
- Suche nach deinen Lieblingsfüllwörtern und entscheide bei jedem Treffer, ob es das Wort braucht.
- Suche nach doppelten Leerzeichen und ersetze sie durch einfache.
- Suche nach drei Punkten und prüfe, ob du sie einheitlich als Auslassungszeichen setzt.
- Suche nach den Namen deiner Figuren in falschen Schreibweisen.
- Suche nach Platzhaltern wie XXX, TODO oder eckigen Klammern.
Beispiel für ein Begleitschreiben
So kann eine kurze Info an deinen Lektor aussehen:
Genre: Dark Romance, Leser ab 18
Umfang: ca. 92.000 Wörter, 31 Kapitel
Perspektive: Ich-Erzählerin, abwechselnd mit dem männlichen Hauptcharakter, Präsens
Inhalt: Eine Journalistin recherchiert über eine Mafiafamilie und wird vom Erben entführt, der sie als Druckmittel benutzt. Zwischen beiden entwickelt sich eine gefährliche Anziehung.
Bewusste Entscheidungen: Der männliche Hauptcharakter spricht bewusst knapp und mit einzelnen italienischen Ausdrücken.
Meine Sorgen: Ich bin unsicher, ob die Wandlung in Kapitel 18 glaubwürdig ist und ob das Mittelteil zu lang ist.
Wunschtermin: Veröffentlichung im März
Mit diesen Angaben weiß dein Lektor sofort, worauf er achten soll, und muss nicht raten, was Absicht und was Fehler ist.
Häufige Fehler beim Einreichen
- Mehrere Fassungen: Du schickst eine Datei und arbeitest dann an einer anderen weiter.
- Einzelne Kapiteldateien: Dreißig Dateien erschweren die Arbeit und erhöhen das Risiko, dass etwas fehlt.
- Kommentare im Text: Eigene Notizen in Kommentaren verwirren. Lösche sie oder kennzeichne sie klar.
- Bereits akzeptierte Änderungen fehlen: Wenn Testleser in der Datei gearbeitet haben, nimm alle Änderungen an oder lehne sie ab, bevor du versendest.
- Kein Zielgruppenhinweis: Ein Lektor, der nicht weiß, dass dein Buch Dark Romance ist, bewertet manche Szenen anders.
Nach dem Lektorat: Anmerkungen einarbeiten
Wenn das Manuskript zurückkommt, plane genug Zeit ein. Geh am besten so vor: Lies zuerst die Zusammenfassung oder die großen Kommentare. Arbeite dann die inhaltlichen Punkte ab, bevor du dich um einzelne Formulierungen kümmerst. Nimm Korrekturen nicht blind an, sondern prüfe jeden Vorschlag. Bei Unklarheiten frag nach. Danach folgt das Korrektorat, das die neu entstandenen Fehler beseitigt. Mehr dazu liest du in Lektorat oder Korrektorat.
Häufige Formatierungsfehler und wie du sie behebst
Viele Formatierungsprobleme entstehen beim Schreiben unbemerkt und fallen erst auf, wenn jemand anderes die Datei öffnet. Diese Fehler sehen Lektoren besonders häufig:
- Leerzeilen statt Seitenumbruch: Neue Kapitel beginnen mit zehn Leerzeilen. Sobald sich Text verschiebt, rutscht alles durcheinander. Nutze stattdessen einen echten Seitenumbruch.
- Einzüge mit Leerzeichen: Absätze werden mit mehreren Leerzeichen oder Tabulatoren eingerückt. Besser ist ein Erstzeileneinzug in den Absatzeinstellungen.
- Uneinheitliche Schriften: Kopierte Passagen bringen andere Schriften und Größen mit. Markiere am Ende alles und setze eine einheitliche Formatvorlage.
- Manuelle Silbentrennung: Bindestriche, die du von Hand gesetzt hast, stehen später mitten in der Zeile. Lass die Trennung im Manuskript am besten ganz weg.
- Szenenwechsel ohne Markierung: Kennzeichne Szenenwechsel innerhalb eines Kapitels einheitlich, etwa mit drei Sternchen in einer eigenen Zeile.
- Versteckte Kommentare und Änderungen: Prüfe in der Überprüfungsansicht, ob noch alte Kommentare oder nicht angenommene Änderungen im Dokument sind.
Vertraulichkeit und Dateisicherheit
Dein Manuskript ist dein geistiges Eigentum. Seriöse Lektoren behandeln es vertraulich und geben es nicht weiter. Trotzdem lohnt sich etwas Vorsicht:
- Bewahre immer eine eigene Sicherungskopie der Fassung auf, die du verschickt hast.
- Benenne Dateien eindeutig, etwa mit Titel, Datum und Versionsnummer, zum Beispiel Titel_Lektorat_v1.
- Kläre vorab, wie die Datei übermittelt wird und wann sie nach Abschluss gelöscht wird.
- Achte bei Online-Formularen und Cloud-Links darauf, dass nur die beteiligten Personen Zugriff haben.
Zeitplanung rund um das Lektorat
Ein häufiger Fehler ist ein zu knapper Zeitplan. Wer den Veröffentlichungstermin bereits angekündigt hat, gerät schnell unter Druck. Plane deshalb rückwärts vom Erscheinungstermin: Für Satz, Cover und Upload etwa zwei bis vier Wochen, für das Korrektorat ein bis drei Wochen, für dein Einarbeiten der Lektoratsanmerkungen zwei bis vier Wochen und für das Lektorat selbst zwei bis sechs Wochen. Hinzu kommen Wartezeiten, bis der Lektor Kapazität hat. So landest du schnell bei drei bis vier Monaten vor dem geplanten Termin, die du für die Anfrage einplanen solltest.
Sonderfälle: Reihen, Übersetzungen und Neuauflagen
Folgebände einer Reihe
Schick bei einem Folgeband eine kurze Zusammenfassung der vorherigen Bände mit, dazu eine Liste aller wiederkehrenden Figuren und Orte. Hast du eine Figurenbibel oder Zeitleiste, lege sie bei. So kann der Lektor Widersprüche zu früheren Bänden erkennen.
Übersetzte Manuskripte
Lässt du ein Buch aus einer anderen Sprache übersetzen, braucht die Übersetzung ebenfalls ein Lektorat. Gib dabei an, aus welcher Sprache übersetzt wurde und ob der Lektor das Original zum Abgleich bekommt. Mehr dazu in Buchübersetzung für Selfpublisher.
Überarbeitete Neuauflagen
Willst du ein bereits veröffentlichtes Buch überarbeiten, markiere die geänderten Stellen oder gib an, welche Kapitel neu sind. Das spart Zeit und Geld, wenn nicht das ganze Buch erneut lektoriert werden muss.
Die letzte Kontrolle vor dem Versand
Bevor du auf Senden klickst, öffne die Datei einmal auf einem anderen Gerät oder lass sie dir als PDF anzeigen. So erkennst du, ob die Formatierung überall stimmt, ob Kapitelumbrüche sitzen und ob Sonderzeichen korrekt dargestellt werden. Prüfe außerdem, ob du wirklich die neueste Fassung verschickst. Gerade wer mit mehreren Dateien gearbeitet hat, schickt schnell eine ältere Version. Ein kurzer Blick auf das Änderungsdatum und die letzten Seiten erspart dir später viel Ärger.
Bereit für das Lektorat?
Schick uns dein Manuskript oder starte mit 20 Seiten für 99 Euro. Wir antworten innerhalb von 24 Stunden mit einem transparenten Angebot.
Häufige Fragen
Kann ich das Manuskript auch als Google Doc schicken?
Viele Lektoren arbeiten lieber mit Word, weil die Änderungsverfolgung dort zuverlässiger ist. Frag am besten vorher nach. Ein Google Doc lässt sich problemlos als .docx exportieren.
Soll ich Widmung und Danksagung mitschicken?
Ja, wenn sie mitgedruckt werden. Auch Klappentext und Autorenvita profitieren von einem professionellen Blick.
Wie lange dauert ein Lektorat?
Je nach Umfang und Auslastung zwischen zwei und sechs Wochen. Frag rechtzeitig an, besonders wenn du einen festen Veröffentlichungstermin hast.
Sollte ich vor dem Lektorat ein Rechtschreibprogramm nutzen?
Ja, als Vorbereitung ist das sinnvoll. Es beseitigt offensichtliche Tippfehler und lässt dem Lektor mehr Zeit für Inhalt und Stil.
Muss ich mein Manuskript ausdrucken?
Nein, für den Versand nicht. Für deine eigene Überarbeitung kann ein Ausdruck aber helfen, weil man auf Papier anders liest und mehr Fehler findet.
Soll ich meine eigenen Notizen zum Manuskript mitschicken?
Ja, wenn sie dem Lektor helfen, etwa eine Figurenliste oder Zeitleiste. Lösche aber Notizen und Kommentare im Text selbst, damit sie nicht mit Anmerkungen verwechselt werden.
Was passiert, wenn ich nach dem Versand noch einen Fehler finde?
Notiere ihn dir und arbeite ihn nach dem Lektorat selbst ein. Schick keine neue Fassung hinterher, sonst entstehen zwei Versionen, die mühsam zusammengeführt werden müssen. Bei größeren Änderungen sprich vorher mit deinem Lektor.
Fazit
Ein gut vorbereitetes Manuskript ist die beste Grundlage für ein wirkungsvolles Lektorat. Fertiger Inhalt, saubere Formatierung, einheitliche Schreibweisen und ein kurzes Begleitschreiben sorgen dafür, dass sich dein Lektor auf das Wesentliche konzentrieren kann. Was danach folgt, beschreibt Lektorat oder Korrektorat.


