Du hast dein Buch auf Deutsch veröffentlicht und fragst dich, ob eine Buchübersetzung der nächste sinnvolle Schritt ist. Die Frage stellen sich viele Selfpublisher – besonders dann, wenn das erste Buch gut läuft und die eigene Geschichte auch ein internationales Publikum verdient hätte.
Was eine professionelle Buchübersetzung ausmacht, wann der richtige Zeitpunkt ist und worauf es dabei wirklich ankommt, beleuchten wir in diesem Beitrag.
Warum Buchübersetzung für Selfpublisher immer relevanter wird
Der englischsprachige eBook-Markt ist der größte der Welt – und er ist über Amazon KDP genauso zugänglich wie der deutschsprachige. Wer ein Buch auf Englisch veröffentlicht, erreicht potenziell Leserinnen und Leser in den USA, Großbritannien, Kanada, Australien und darüber hinaus.
Besonders für Genre-Fiction – Dark Romance, Fantasy, Thriller, New Adult – ist der englischsprachige Markt enorm. BookTok und englischsprachige Leseblogs haben eine Reichweite, mit der die deutschsprachige Community kaum mithalten kann. Eine gute Buchübersetzung öffnet diese Tür.
Was eine Buchübersetzung von einer Fachübersetzung unterscheidet
Das ist einer der häufigsten Irrtümer: dass gute Sprachkenntnisse für eine Romanübersetzung ausreichen. Das tun sie nicht.
Eine Buchübersetzung ist keine Wort-für-Wort-Übertragung. Sie überträgt Stimmung, Rhythmus, Figurensprache, Humor und Subtext – all das, was einen Roman lesbar und lebendig macht. Ein Satz, der auf Deutsch elegant klingt, kann auf Englisch hölzern wirken, wenn er zu nah am Original bleibt. Und umgekehrt.
Gute Übersetzerinnen und Übersetzer schreiben das Buch in der Zielsprache neu – ohne dabei die Stimme der Autorin zu verlieren. Das ist ein handwerklich anspruchsvoller Prozess, der Zeit und Genrekenntnisse erfordert.
Deutsch–Englisch, Englisch–Deutsch – und was noch?
Die häufigste Richtung bei Selfpublishern ist Deutsch nach Englisch – aus den oben genannten Gründen. Aber auch die Gegenrichtung ist gefragt: Englischsprachige Bücher, die für den deutschsprachigen Markt übersetzt werden sollen, etwa wenn eine Autorin auf Englisch schreibt und nun auch deutsche Leserinnen erreichen möchte.
Darüber hinaus sind weitere Sprachpaare möglich, je nach Zielmarkt und Genre. Für Romanübersetzungen gilt grundsätzlich: Die Übersetzung sollte immer in die Muttersprache der Übersetzerin gehen – nur so ist sichergestellt, dass der Text wirklich natürlich klingt.
Was bei einer Buchübersetzung mitgedacht werden sollte
Eine Buchübersetzung ist mehr als der reine Übersetzungsauftrag. Wer sein Buch in einem neuen Markt veröffentlichen möchte, sollte auch folgende Punkte im Blick haben:
Korrektorat in der Zielsprache: Auch der beste Übersetzer macht Fehler. Ein abschließendes Korrektorat durch eine zweite Person ist bei Romanübersetzungen Standard.
Cover und Metadaten: Ein Cover, das auf dem deutschsprachigen Markt funktioniert, muss nicht zwingend für den englischsprachigen Markt geeignet sein – Genrekonventionen unterscheiden sich. Dasselbe gilt für Titel und Klappentext.
Formatierung: eBook und Print haben in verschiedenen Märkten unterschiedliche Formatierungsstandards. Das sollte vor der Veröffentlichung geprüft werden.
Wann lohnt sich eine Buchübersetzung?
Eine Buchübersetzung ist eine Investition – in Zeit, Geld und Aufmerksamkeit. Sie lohnt sich dann, wenn das Originalbuch bereits gut funktioniert und eine klare Zielgruppe im neuen Markt erkennbar ist.
Wer sein erstes Buch gerade veröffentlicht hat und noch kein Feedback hat, sollte zunächst abwarten. Wer aber merkt, dass die Geschichte Anklang findet und ein internationales Potenzial hat, sollte die Übersetzung frühzeitig einplanen – nicht als letzten Schritt, sondern als Teil einer bewussten Veröffentlichungsstrategie.


