Ein eBook Lektorat wird von vielen Selfpublishern als optionaler Schritt betrachtet – als etwas, das man sich sparen kann, weil das Buch ja „nur“ digital erscheint. Das ist ein Irrtum, der in der Praxis regelmäßig zu schlechten Bewertungen, niedrigen Verkaufszahlen und frustrierten Leserinnen und Lesern führt.
Ob ein Buch auf Papier oder auf einem Kindle-Display erscheint, ändert nichts an dem, was Lesende erwarten: einen sorgfältig geschriebenen, gut strukturierten und fehlerfreien Text. Ein eBook ist kein Entwurf – es ist ein fertiges Produkt. Und ein Lektorat ist der Schritt, der es dazu macht.
Was ein eBook Lektorat umfasst
Der Begriff Lektorat beschreibt nicht eine einzige Dienstleistung, sondern ein Spektrum – und es lohnt sich, die Unterschiede zu kennen, bevor man einen Auftrag vergibt.
Das Inhaltslektorat (auch Strukturlektorat oder Lektorat genannt) betrachtet das Manuskript auf der Makroebene: Stimmt die Struktur? Ist die Handlung schlüssig? Sind die Charaktere konsistent? Gibt es Tempo-Probleme, Logiklücken oder Szenen, die den Lesefluss unterbrechen? Das ist die tiefste und aufwendigste Form des Lektorats – und die wertvollste für Belletristik.
Das Stilllektorat arbeitet auf Satz- und Absatzebene: Sprache, Rhythmus, Wortwahl, Wiederholungen und der individuelle Ton der Autorin. Es verändert nicht, was erzählt wird – sondern wie es erzählt wird.
Das Korrektorat schließt den Prozess ab: Rechtschreibung, Grammatik, Interpunktion, Konsistenz von Namen und Begriffen. Es ist der letzte Schritt vor der Veröffentlichung und sollte immer von einer anderen Person als der Autorin durchgeführt werden.
Viele Selfpublisher kombinieren Stilllektorat und Korrektorat – das ist für die meisten eBook-Projekte ein sinnvoller Ausgangspunkt. Wer ein erstes Buch veröffentlicht oder unsicher ist, wie gut das Manuskript strukturell aufgestellt ist, sollte das Inhaltslektorat nicht überspringen.
Warum eBooks besonders anfällig für Fehler sind
Gedruckte Bücher durchlaufen vor der Veröffentlichung üblicherweise mehrere Korrekturdurchgänge – allein schon weil ein fehlerhaftes Druckwerk kostspielig zu korrigieren ist. eBooks haben diese natürliche Bremse nicht. Sie lassen sich schnell hochladen, schnell aktualisieren – und werden deshalb manchmal zu schnell veröffentlicht.
Hinzu kommt ein physiologisches Problem: Wer seinen eigenen Text kennt, liest nicht mehr, was tatsächlich auf der Seite steht, sondern was er erwartet dort zu finden. Das Gehirn korrigiert unbewusst. Deshalb finden Autorinnen und Autoren in ihren eigenen Manuskripten systematisch weniger Fehler als externe Lektorinnen – unabhängig davon, wie sorgfältig sie gelesen haben.
Auf Amazon sieht man die Konsequenzen davon regelmäßig: Ein- und Zweisterne-Bewertungen, die ausdrücklich auf Fehler, Inkonsistenzen oder einen holprigen Schreibstil hinweisen. Diese Bewertungen lassen sich nicht löschen. Ein professionelles eBook Lektorat ist deshalb auch eine Form von Reputationsschutz. Mehr dazu, was bei Amazon konkret zu beachten ist, haben wir im Beitrag zu erfolgreichem Selfpublishing auf Amazon KDP zusammengefasst.
eBook Lektorat und Genre – warum das eine Rolle spielt
Ein gutes eBook Lektorat ist kein generischer Dienst. Unterschiedliche Genres haben unterschiedliche Konventionen, unterschiedliche Leseerwartungen und unterschiedliche Fehlermuster.
Dark Romance, Romantasy und New Adult – die stärksten Wachstumsgenres im deutschsprachigen Selfpublishing – haben eigene sprachliche Codes, eigene Erzähltempi und eigene Anforderungen an Figurenentwicklung. Eine Lektorin, die diese Genres kennt und selbst liest, wird andere Hinweise geben als jemand, der das Buch rein handwerklich betrachtet. Bei Textamia lektorieren wir seit Jahren gezielt in diesen Genres – weil wir überzeugt sind, dass Genre-Kenntnis kein Luxus ist, sondern Teil der Arbeit.
Dasselbe gilt für Fantasy und Science Fiction: Worldbuilding-Konsistenz, Magie-Systeme und die interne Logik einer erfundenen Welt sind Aspekte, die nur jemand beurteilen kann, der mit den Konventionen des Genres vertraut ist.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein eBook Lektorat?
Das Lektorat kommt nicht ans Ende des Prozesses – es kommt, wenn das Manuskript fertig ist, aber bevor es formatiert und hochgeladen wird. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht: Viele Selfpublisher beauftragen ein Korrektorat, nachdem sie das eBook bereits formatiert haben – und müssen nach den Korrekturen das Layout erneut anpassen.
Die sinnvolle Reihenfolge ist: Manuskript fertigstellen, Testleserinnen, Inhaltslektorat, Stilllektorat, Korrektorat, Formatierung, Cover, Veröffentlichung. Wer das Buch im Selbstverlag veröffentlichen möchte und mehr über den gesamten Ablauf erfahren möchte, findet dort einen ausführlichen Überblick.
Was ein eBook Lektorat kostet
Die Kosten für ein eBook Lektorat hängen von der Art des Lektorats, der Länge des Manuskripts und der Erfahrung der Lektorin ab. Als grobe Orientierung: Ein Korrektorat für ein eBook mit 80.000 Zeichen (ohne Leerzeichen) beginnt typischerweise bei 150–300 Euro. Ein vollständiges Stilllektorat für dasselbe Manuskript liegt je nach Anbieter zwischen 300 und 700 Euro. Inhaltslektorate sind aufwendiger und werden meist individuell berechnet.
Was diese Investition ins Verhältnis setzt: Eine schlechte Bewertung auf Amazon wegen Fehlern senkt die Gesamtbewertung dauerhaft und kostet über die Laufzeit des Buches deutlich mehr als das Lektorat selbst – in entgangenen Verkäufen, die sich nicht zurückrechnen lassen.


